Denn nicht jeder ist eine Sportskanone oder hat Spaß daran, sich im Verein bei „Agility, Dogdancing“ oder anderen Hundesportarten auszutoben. Viele wollen einfach „nur“ einen Hund als Begleiter und treuen Freund, ohne in übermäßigen Aktivismus ausbrechen zu müssen. Trotzdem macht Hundebeschäftigung Sinn. Denn unsere Hunde wollen nicht nur dabei sein, während alle anderen um sie herum etwas tun. Sie brauchen kleine Jobs im Alltag, um sich ausgelastet und zufrieden zu fühlen. Eine sinnvolle Aufgabe weist dem sozialen Rudeltier seinen Platz im Familienverbund zu. Viele Verhaltensprobleme sind so einfach zu vermeiden oder in den Griff zu bekommen. Im Folgenden zeigen wir ein paar Beschäftigungsmodelle für Hunde, die sich ins ganz normale Alltagsleben integrieren lassen.
Im Bergischen Land bei Gummersbach hat sich die Hundetrainerin Barbara Neuber für ihren Australian Cattledog etwas einfallen lassen. Denn ihr Dingo ist ein echtes Arbeitstier. Am liebsten würde er Vieh treiben – das liegt ihm im Blut. Als Ersatz erfand Barbara Neuber das „Bälle-Treiben“, oder auch „Trial Ball“. Das schnelle Spiel ist für den intelligenten Dingo ideal. Hier kann er alles geben und sich den sportlichen und mentalen Herausforderungen stellen. Seit Dingo Bälle treibt, läuft für ihn alles rund, berichtet Barbara Neuber: „Wenn ich mit ihm „nur“ einen Spaziergang unternehmen würde, dann würde er sich wahrscheinlich irgend etwas anderes suchen, das nicht unbedingt von mir erwünscht wäre: Vielleicht würde er das nächste Kaninchen jagen, denn das Spazierengehen allein langweilt ihn einfach. Und die Arbeit mit den Bällen, da kann er sich so richtig schön austoben. Aber gleichzeitig geht es auch um Erziehung, denn ich gebe ihm ständig Anweisungen. Er muss sich zwischendurch hinlegen, oder ich schicke ihn in eine andere Richtung oder rufe ihn zu mir oder lasse ihn apportieren.“ Nach etwa 20 Minuten konzentrierter Arbeit am Ball ist Dingo müde und zufrieden.
So wie der Australian Cattledog braucht jeder Hund eine Aufgabe. Davon ist die Trainerin überzeugt. Daher sucht sie für jeden Hundetyp den passenden Job.
Bruce ist noch kein Jahr alt und alle Erziehungsversuche sind kläglich gescheitert. Ein gemütlicher Spaziergang ist mit ihm kaum möglich. Der Jack-Russell-Terrier achtet auf alles, nur nicht auf sein Herrchen. Ständig ist er abgelenkt. Herrchens Kommandos verhallen im Wald, ohne von Bruce erhört zu werden. Als echter Terrier steht Bruce der Sinn nach Jagd! Alles andere interessiert ihn herzlich wenig.
Barbara Neuber legt für Bruce eine Spur, der er folgen soll. Jetzt darf er auf Jagd gehen, nämlich auf Leckerli-Jagd – mit Herrchen als „Chefjäger“. Die Hundeerzieherin erklärt, was sie damit erreichen will: „Bruce soll seine Nase einsetzen und die Leckerchen finden. Am Ende wartet der Jackpot auf ihn, das ist eine große Belohnung. Dann wird Bruce auf einmal ganz konzentriert arbeiten. Er schenkt dann seine Aufmerksamkeit seinem Menschen und seiner Aufgabe. Hund und Mensch arbeiten dabei intensiv zusammen, weil der Mensch weiß, wo die guten Sachen liegen. Da wird Herrchen auf einmal ganz interessant, weil die beiden jetzt praktisch zusammen auf Jagd gehen.“
Nach der Leckerchen-Jagd ist Bruce zu allem bereit. Begeistert von Suche nach dem Jackpot, gibt er nun alles, um auch einen Zapfen auf dem Waldweg zu finden, der nach Herrchen riecht. Schnell hat er die richtige Spur und bringt Herrchen den Zapfen, so als hätte er noch nie im Leben etwas anderes gemacht, als seinem „Chef“ die Beute vor die Füße zu legen. Wenn Bruce so schnell weiterlernt, findet er auf Kommando sogar verlegte Schlüssel oder andere Gegenstände im Haushalt.
Erfolgreich ist auch Labrador Max: als Hausmann. Für ihn gibt es ständig etwas zu tun. Denn er trägt Frauchen die Schlüssel hinterher, räumt den Einkaufskorb aus, bringt Verpackungen in den Müll oder hebt heruntergefallene Sachen wieder auf. Durch die Aufgaben ist Max nun mittendrin, statt nur dabei. Das war für ihn nicht immer so. Das ordentliche Haushundleben musste Max erst lernen, erzählt sein Frauchen: „Das geht jetzt bei uns jeden Tag so. Früher ist er abgehauen und hat viel Unsinn gemacht, Sachen kaputt gebissen, das kennen wir jetzt gar nicht mehr. Wenn man mal einen Tag keinen langen Spaziergang macht, ist das auch nicht schlimm, weil ich ihn ja auch im Haus oder im Garten sehr gut beschäftigen kann.“
Für einen Hund ist es sehr ermüdend, wenn er seinen Kopf einsetzen muss, und „bei der Arbeit“ bewegt er sich ja auch gleichzeitig. Auch die Bindung an den Menschen verbessert sich. Denn der Mensch tritt dabei mit seinem Hund in eine echte Kommunikation. Dadurch orientiert der Hund sich an seinem Herrchen, oder Frauchen – übrigens eine grundlegende Basis für Erziehungserfolge.
Hat man erst einmal die Lieblingsbeschäftigung seines Hundes gefunden, kommt der Erfolg und die gute Laune von ganz allein. Von einer sinnvollen Beschäftigung profitieren am Ende alle – Mensch und Hund. Um noch mehr kleine Jobs für seinen Hund zu finden, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Ute Brunne