Ein Hund mit Herrchen und eine Frau; Rechte: WDR (TV-Bild)

Der Albtraum eines jeden Postboten: ein kläffender Hund im Vorgarten. Bellt er nur zur Begrüßung oder beißt er gleich zu? Doch statt Ruhe zu bewahren, macht sich oftmals pure Angst breit.

 
Ein Postbote und ein schwarzer Hund auf einem Hof; Rechte: WDR

Die Angst mancher Postboten vor Hunden kann Bernd Czerwinski nur allzu gut nachempfinden. Bis vor Kurzem litt er an einer Hundephobie. Ob Dogge oder Pudel, um jeden Hund machte er einen Riesenbogen. Ein Besuch in einem Tierheim wäre noch vor einem Jahr nicht vorstellbar gewesen – trotz Schutzgitter. Allein die Nähe eines Hundes führte bei Bernd Czerwinski unweigerlich zu heftigen Symptomen wie Panikattacken und Schweißausbrüchen.

Eine Hundeattacke hat Bernd Czerwinski zum Glück noch nicht erlebt. Doch allein der Gedanke daran reichte völlig aus. Und ständig neue Schlagzeilen über Bestien, die Menschen anfielen und Kinder zerfleischten, steigerten seine Angst ins Unerträgliche. Bis er eines Tages über seine Frau Kontakt zu einer Tierpsychologin bekam.

Als Christiane Vielhaber Bernds Problem kennenlernte, war schnell klar, dass sie ganz vorne anfangen musste, um seine Hundephobie in den Griff zu bekommen. Vom ersten kleinen Schritt bis zu dem Augenblick, als Bernd einen Hund auch ohne Panikattacken streicheln konnte, verging ein halbes Jahr. Ein paar Monate später hatte er seine Angst so weit im Griff, dass er einen Hund aus dem Bochumer Tierheim adoptierte. Und zwar einen Stafford-Mischling. Seit neun Monaten sind Billy und sein Herrchen ein Herz und eine Seele. Doch manchmal überkommt Bernd in Gegenwart seines Hundes immer noch ein leichter Schauer. Seine Hundeangst hat er noch nicht ganz überwunden, aber das tägliche Zusammensein mit Billy sowie die regelmäßigen Stunden in der Hundeschule des Tierheims Bochum helfen ihm sehr.

Menschen mit einer Phobie gegenüber allen Hunden gibt es nur selten. Doch nicht wenige bekommen regelmäßig Angst, wenn sie großen Hunden begegnen, egal ob sie angeleint sind oder nicht. Oft besteht diese Angst bei den betreffenden Personen seit ihrer Kindheit, zumeist verursacht durch die Eltern. Wenn diese beispielsweise schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht haben, übertragen sie oft ihre eigenen Ängste auf das Kind. Diese anerzogene Angst führt dazu, dass die Kinder im späteren Leben Hunden gegenüber oft negativ eingestellt sind.

 
Eine Joggerin wird von einem Hund angefallen; Rechte: WDR (TV-Bild)

Doch nicht immer schützt eine angstfreie Erziehung des Kindes im Umgang mit Hunden später vor bösen Überraschungen. Oft ist die Angst vor fremden Hunden auch berechtigt, vor allem, wenn sie nicht vorschriftsmäßig angeleint sind. Insbesondere Jogger und Parkgänger werden regelmäßig Opfer von plötzlichen Hundeangriffen. Solche Vorfälle schüren oft nur die Ängste der Betroffenen. Ein Teufelkreislauf entsteht, der die Fronten zwischen Hundehaltern und Bürgern ohne Hunde nur verhärtet.

Für die Tierpsychologin Christiane Vielhaber ist die verbreitete Angst vor Hunden nur dann in den Griff zu bekommen, wenn alle Betroffenen Rücksicht aufeinander nehmen. Bürger ohne Hunde sollten sich intensiver über das Wesen und das Verhalten eines Hundes informieren, um so Hysterie und Vorurteile abzubauen. Und die Hundehalter sollten zum Beispiel über eine Hundeschule den korrekten und sachgemäßen Umgang mit dem Hund lernen, um so wiederum die Möglichkeit eines unberechenbaren Angriffs durch einen leinenlosen Hund einzudämmen.

Für Bernd Czerwinski ist die gegenseitige Aufklärung und Schulung über und mit Hunden selbstverständlich. Die Angst vor freilaufenden fremden Hunden spürt er heute noch. Und genau dieses Gefühl möchte er mit seinem Hund Billy niemanden zumuten.

 
Autor:

Jörg E. Mayer