Wer gerüstet sein will für die neue Situation, kann sich schon im Vorfeld um Rat und Hilfe bemühen. Tierpsychologe Alexander Külzer hat schon oft erlebt, dass Hunde auf solche einschneidenden Veränderungen mit Verhaltensauffälligkeiten reagieren, und das bedeutet Arbeit für den Rest der Familie. Seine Tipps haben sich schon viele Eltern zu Herzen genommen.
Eltern, die wissen, was auf sie zukommt, bereiten sich vor und widmen ihrem Hund die Aufmerksamkeit, die er braucht, um mit der neuen Situation zurechtzukommen.
In der Schwangerschaft bleibt zum Beispiel Zeit genug, den Hund mit einem Dummy an den Familienzuwachs zu gewöhnen. Wenn er dabei trotzdem Streicheleinheiten und Lob einheimst, kann er zumindest ahnen, dass von dem fremdartigen Wesen keine Gefahr droht.
Alexander Külzer rät, aus der Klinik auch einmal eine benutzte Windel mitzubringen und den Hund daran schnuppern zu lassen, um ihn an die fremden Gerüche zu gewöhnen. Das Schnuppern wird dann positiv konditioniert durch Futterspiele, Ballspiele und viel Aufmerksamkeit. Der Hund empfindet das Kind auf diese Weise als etwas Positives und fühlt sich nicht sozial vernachlässigt.
Hunde, die mit der Ankunft des Babys positive Situationen verbinden, können sich gelassener und ohne viel Aufhebens auf das Kind einlassen. Für Babys ist der Anblick eines Hundes – natürlich immer unter Aufsicht – eine willkommene Abwechslung und nicht selten spannender als das Mobile über dem Bett.
Später genießen die Kinder die vierbeinigen Hausgenossen als Pausenclown, Bodyguard oder Kuscheltier – solange die Eltern ganz nah dabei sind, ist das Zusammensein mit einem Hund ein echter Gewinn.
Und damit beim Kuscheln, Toben und Streicheln keine Berührungsängste aufkommen müssen, sollten Hunde selbstverständlich regelmäßig geimpft, entwurmt und auf Parasiten, wie Flöhe, Zecken und Milben, untersucht werden. Und wo Hundeküsse ein paar Spuren zu viel hinterlassen, helfen Wasser und Seife – ganz normale Hygiene eben.
Wenn die Kinder dann ins Krabbelalter kommen, können gefährliche Situationen entstehen, die sich vermeiden lassen. Knabbert beispielsweise ein Hund an seinem Knochen und das Kind krabbelt auf den Hund zu, ignoriert aber sein Knurren, dann kann es passieren, dass der Hund schnappt.
Für solche Fälle ist es wichtig, dem Hund einen Rückzugsort zuzuteilen, der für die Kinder tabu ist. Auch ganz kleine Kinder können durch konsequentes Eingreifen der Eltern davon überzeugt werden, dass die Ruhezone des Hundes auch seine persönliche Grenze ist.
Durch Körpersprache und Lautäußerungen signalisieren Hunde, wenn es ihnen zu bunt wird, und da ist die Aufmerksamkeit der Eltern gefragt. In keiner Situation sollte das Kind mit dem Hund allein gelassen werden, denn unbeholfenes Zerren am Hundefell, auch wenn es noch so spielerisch gemeint ist, kann selbst den geduldigsten Hund aus der Ruhe bringen.
Für ein harmonisches Miteinander sind klare Regeln ein gutes Mittel, Sicherheit und Respekt herzustellen. Dazu gehört auf jeden Fall, dass ein Hund nicht beim Fressen gestört werden sollte, Ruhepausen eingehalten werden müssen, und vor allem, dass Tiere kein Spielzeug sind.
Alexander Külzer: „Außerdem sollte man Kindern frühzeitig, also etwa im Alter von zwei, drei Jahren, klarmachen, dass Hunde auch Schmerzen empfinden können und Lebewesen sind, die Respekt verdienen.“
Familienzuwachs ist also noch lange kein Grund, einen Hund aus der Familie zu verbannen. Im Gegenteil: Schutz und Fürsorge lassen sich teilen, und manchmal bedeutet Fürsorge auch, seinen Schützlingen neue Erfahrungen zu ermöglichen – unter Aufsicht und Anleitung, versteht sich.
Susanne d’Alquen