Wer sich zum ersten Mal ein Haustier anschaffen möchte, wird verblüfft sein, was der Handel inzwischen alles an Pflege- und Zubehörprodukten anbietet. Es gibt eine Unzahl an industriellen Pflegeprodukten für Hund und Katze, so zum Beispiel Shampoos für verschiedene Haarfarben und -arten, Sprays, Puder und Öle ... Wer es besonders gut meint, ist vielleicht bereit, diese Produkte zu kaufen – schließlich will man ja nur das beste für das Tier. Aber mehr ist nicht besser, wenn es um die tierische Körperpflege geht. Was man sich sparen kann und was notwendig ist, zeigt der Beitrag im Überblick – ein kleiner Körperpflegeleitfaden für Hunde- und Katzenerstbesitzer.
 

Katzenwäsche in der Natur

Von Natur aus ist die Katze wunderbar in der Lage, sich selbst zu pflegen. Mit der Zunge nimmt sie Schmutz und lose Haare auf und massiert dabei auch gleich die Haut, was die Durchblutung und das Wohlbefinden fördert. Damit die verschluckten Haare keine Verdauungsprobleme bereiten, frisst die Katze in der Natur Gras oder andere pflanzliche Fasern. Die Krallen wetzt sie an Bäumen und auch beim Laufen ab. Bei so viel Reinlichkeit ist Baden unnötig: Katzen sind bis auf ganz wenige Ausnahmen extrem wasserscheu.

 

Hilfe bei Haus- und Rassekatzen

 

Fellpflege

Je weniger natürlich Katzen gehalten werden, umso mehr Hilfe brauchen sie. Während normale Hauskatzen mit ihrer Fellpflege gut allein zurechtkommen, brauchen die langhaarigen Rassekatzen Unterstützung. Bei den Perserkatzen wächst das Fell als Folge der Zucht so üppig und lang, dass sie es nicht mehr allein pflegen können! Daher sind sie darauf angewiesen, täglich gebürstet zu werden, vor allem im Winter. Geschieht das nicht, verfilzt und verknotet das Fell innerhalb weniger Tage so stark, dass man es nicht mehr bürsten kann. Dann hilft nur noch eins: Knoten rausschneiden oder das Fell scheren – und das bedeutet, wenn es ohne Narkose geschieht, für viele Katzen sehr großen Stress.

Normale Hauskatzen dürfen allerdings auch schon einmal gebürstet werden, vor allem, um den Fellwechsel im Frühjahr und im Herbst zu unterstützen. Ganz wichtig: Gewöhnen Sie Ihre Katze von klein auf ganz behutsam ans Bürsten! Mit einer Drahtbürste für Katzen lässt sich gut die Unterwolle greifen. Zum Abschluss verwendet man eine weiche Bürste oder auch einen feinen Flohkamm. Nach dem Bürsten kann man langhaarige Katzen auch mit Talkum oder Babypuder einreiben, damit das Fell nicht wieder so leicht verfilzt.

 

Zahnpflege

Zahnstein hat veranlagungs- und ernährungsbedingte Ursachen. Die Entfernung ist schwierig und kann bei Katzen fast immer nur in Narkose erfolgen. Wird der Zahnstein nicht entfernt, können sich gravierende Entzündungen entwickeln. Während eine wild lebende Katze ihre Zähne zwangsläufig durch das Kauen der Beute in gewissem Umfang reinigt, ist dies bei der Fütterung mit industriellem Fertigfutter nicht gegeben. Der Handel bietet aber spezielle Zahnreinigungsleckerchen und spezielles Trockenfutter an.

 

Krallenpflege

Katze am Kratzbaum; Rechte: WDR (TV-Bild)

Vor allem Wohnungskatzen ohne Freigang haben häufig nicht viele Gelegenheiten, sich die Krallen zu wetzen, geschweige denn, sie abzulaufen. Ganz wichtig ist daher ein Kratzbaum, den die Katze auch akzeptiert. Kontrollieren Sie die Krallen regelmäßig: Wenn sie zu lang werden, wachsen sie schlimmstenfalls rund ein, was schmerzhafte Entzündungen und Vereiterungen mit sich bringt.

 

Zahn- und Pfotenpflege bei Hunden

 

Zähneputzen

Tier erhält Zahnpflege; Rechte: WDR (TV-Bild)

Auch bei Hunden besteht ein gewisser Pflegebedarf am Gebiss und den Pfoten. Was den übel riechenden Zahnstein angeht, so hat man auch hier die Möglichkeit, durch gezieltes Füttern, zum Beispiel mit speziellen Zahnreinigungsleckerchen und Knochen, vorzubeugen. Und es gibt noch eine weitere gute Möglichkeit der Vorbeugung: Zähne putzen! Wichtig: Man sollte den Hund von klein auf spielerisch daran gewöhnen! Dazu hebt man anfangs behutsam die Lefzen an, greift darunter und übt behutsam, den Fang zu öffnen. Erst wenn der Hund sich daran gewöhnt hat, sich ins Maul greifen zu lassen, geht es ans eigentliche Putzen mit einer speziellen Hundezahncreme. Dass Zahncremes für Menschen die empfindlichen Geschmacksnerven der Hunde überfordern, sei noch einmal ausdrücklich betont!

 

Krallenlänge

Die Krallen dürfen ebenfalls nicht zu lang werden. Bei ausreichender Bewegung besteht die Gefahr normalerweise nicht. So testen Sie die optimale Krallenlänge: Vorn sollen sie gerade so über dem Boden schweben, wenn der Hund sitzt. Die einzelne Wolfskralle an der Innenseite muss nur gekürzt oder sogar herausoperiert werden, wenn der Hund mit ihr hängen bleibt und sie einreißt. Aber: Vorsicht im Umgang mit der Zange! Das Kralleninnere ist durchblutet, und man sieht nicht immer, wo der durchblutete Bereich anfängt. Vor allem nicht, wenn die Krallen dunkel sind. Daher sollte man das Krallenkürzen dem Tierarzt überlassen oder es sich wenigstens gründlich zeigen lassen.

 

Ballen

Die Haare zwischen den Ballen sollten nicht zu lang und dicht sein, weil sich bei extremem Bewuchs im Extremfall Bakterien und Pilze einnisten können. Die Ballen sollten geschmeidig und nicht spröde sein. Gerade im Winter, wenn die Ballen mit Schnee, Eis und vor allem Streusalz in Kontakt kommen, sollte man sie häufig kontrollieren. Um rissige oder verletzte Stellen zu schützen, zieht man dem Hund zum Beispiel einen speziellen, wasserabweisenden Strumpf mit Klettverschluss an, den es im Handel gibt.

 

Fellpflege professionell

Je dichter die Unterwolle und je länger das Fell, desto mehr Pflege ist notwendig. Vielen langhaarigen Hunden (zum Beispiel Bobtails) bringt es im Sommer Erleichterung, wenn das Fell in der Gesamtlänge geschoren wird. Der Umgang mit den leistungsstarken Schergeräten ist nicht einfach, weshalb viele Hundehalter ihre Tiere zum Scheren zum Hundefriseur geben. Dort wird auch das „Trimmen“ angeboten, das Ausdünnen und Herausholen der dichten Unterwolle. Es wird zum Beispiel beim Airedale Terrier angewendet. Viele Terrierarten werden sowohl getrimmt als auch geschoren.

 

Baden

Auch Hunde sind auf ihre Weise reinlich (auch wenn sie gelegentliche Gerüche vorziehen, die Menschen nicht so gefallen) – im Allgemeinen ist übertriebene Hygiene jedoch überflüssig. Wenn der Hund aber extrem schmutzig ist und stinkt, weil er sich zum Beispiel im moderigen Schlamm gewälzt hat, dann bleibt einem manchmal nichts anderes übrig, als ihn abzuduschen oder zu baden. Klares Wasser reicht oft schon – oder ein normales Hundeshampoo. Es muss kein besonders teures oder ausgefallenes sein. Nur, wenn der Hund Hautprobleme hat (zum Beispiel Ekzeme, Reizungen oder Infektionen), sind Spezialshampoos gefragt – allerdings am besten nach Absprache mit dem Tierarzt!

Wichtig: Shampoo für Menschen ist – wegen des unterschiedlichen pH-Wertes und Fettgehaltes der Haut – nicht geeignet! Die Hundehaut kann gereizt werden, es können sogar allergische Reaktionen auftreten und, vor allem im Augenbereich, schmerzhaftes Brennen!

 

Bürsten, Kämme & Co.

Noch nicht so bekannt, aber bei vielen Hunden sehr beliebt sind genoppte Massagehandschuhe, die die lose Unterwolle heraufholen. Die Berührung ist dem Hund angenehm und erfüllt den Pflegezweck. Die Unterwolle lässt sich, je nach Fellbeschaffenheit, auch mit einer stabilen, nicht zu spitzen Drahtbürste oder einem Unterwollkamm packen. Achten Sie beim Kauf darauf, dass Bürste oder Kamm nicht schlecht verarbeitet und spitz sind. Probieren Sie aus, wie stabil die Drahtborsten sind: Dazu drücken Sie sie gegen Ihren eigenen Arm, damit Sie eine Vorstellung bekommen, wie elastisch die Bürste ist und wie tief sie greifen kann. Zum Abschluss kann man, um die herausgelösten Haare zu erfassen, noch einmal mit einem feuchten Tuch (zum Beispiel mit einem Fensterleder) über das Fell wischen.

 
Autor:

Barbara Willms