Mit dieser Frage beschäftigte sich der renommierte Verhaltensbiologe Dr. Immanuel Birmelin. Er untersuchte in zahlreichen spielerischen Tests die Intelligenz von Hunden. Das Ergebnis war verblüffend: Hunde können denken, und sie lernen in der Regel gern und schnell. Ihr Gehirn fordert sie geradezu auf. Sie sind Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, mehr oder minder großen Begabungen und einer ausgeprägten Gefühlswelt. Mit Hunden kann man eine schwierige Lernaufgabe immer wieder üben. Sie besitzen Ausdauer. Ohne diese Eigenschaft wäre es zum Beispiel nicht möglich, einen Blindenhund auszubilden.
Die Triebfeder, warum Tiere lernen, ist die zu erwartende Belohnung. Auch Tiere müssen beim Lernen denken. Wichtigste Voraussetzung dafür: Sie müssen angstfrei sein. Und der Erfolg erzeugt beim Tier auch ein gutes Gefühl.
Der Mensch muss geduldig und einfühlsam mit seinem Hund sein, wenn er Erfolg haben will. Denn Hunde haben wie Menschen unterschiedliche Begabungen und Temperamente. Es gibt Hunde, die eine Aufgabe nur sehr schwer begreifen, während andere das Problem mit links lösen. Man muss also auf die Persönlichkeit des Vierbeiners achten.
Auch ältere Hunde lernen noch gut und gern. Wichtig ist es, auf die körperliche Fitness des Seniors zu achten. Wenn ein Hund müde wird, dann baut er ab und achtet nicht mehr auf die ihm gestellten Aufgaben. Daher ist es wichtig, das Signal zu erkennen und den Test abzubrechen.
Langeweile und eine permanente Unterforderung machen den Hund auf Dauer unzufrieden. Ein spielerisches Trainingsprogramm hält ihn geistig und körperlich fit. In seinem Buch „Schlauer Hund“ zeigt der Verhaltensbiologe Dr. Immanuel Birmelin unter anderen zahlreiche Lern- und Denkaufgaben, die den Hund geistig anregen, in Form halten und vielleicht das eine oder andere ungeahnte Talent ans Licht bringen:
Bechertest
Test 1: Nehmen Sie zwei Becher, die sich in Form und Größe gut unterscheiden. Ihr Hund soll im Abstand von 1 bis 2 Metern direkt vor Ihnen sitzen und Sie beobachten. Stülpen Sie die Becher um und legen Sie unter einen etwas Futter. Geben Sie das Kommando „Such“. Der Hund geht im optimalen Fall schon beim ersten Mal zielgerichtet zu dem Becher mit dem Futter. Diesen Vorgang wiederholen Sie mehrere Male, bis der Hund gelernt hat, wie der Becher auszusehen hat, unter dem das Futter liegt. Das können Sie überprüfen, indem Sie die Position des Bechers vertauschen. Geht Ihr Hund sofort zum fraglichen Becher, hat er begriffen.
Test 2: Das Futter kommt wieder unter dem gleichen Becher. Jetzt stehen aber fünf unterschiedliche Becher nebeneinander zur Auswahl. Steigerung: Die fünf Becher im Raum verteilen (mit dem Futter unter dem bekannten, erlernten Becher).
Test 1: Als Käfig benutzen wir einen umgedrehten Fahrradkorb, den wir auf ein Holzbrett nageln. Das Futter liegt auf einem schmalen Stofflappen, der durch den Schlitz zwischen Holzbrett und Fahrradkorb gezogen wird. Um an das Futter zu gelangen, muss der Hund an dem Stofflappen ziehen. Viele Hunde versuchen ihr Glück mit Gewalt. Sie kratzen und scharren wie wild am Fahrradkorb. Die Klügeren unter ihnen kratzen zwar zu Beginn auch, doch dann umkreisen sie den Korb und ziehen zielgerichtet am Stofflappen.
Test 2: Zwei aufeinandergestapelte Backsteine legen Sie der Länge nach hintereinander. In einem Abstand von 20 bis 30 Zentimetern bauen Sie eine zweite Reihe Backsteine auf. Auf die Backsteine legen Sie zwei Bretter, sodass ein Tunnel entsteht. Zwischen den Brettern lassen Sie einen schmalen Spalt frei, damit Futter hindurch fallen kann. Befestigen Sie die Bretter, indem Sie zusätzliche Backsteine drauflegen. Lassen Sie nun im Beisein des Hundes das Futter durch den Spalt fallen. Der Hund kommt nur an das Futter, wenn er an die seitlichen Öffnungen (Tunnel) geht und mit der Pfote oder dem Kopf das Futter aus der Tunnelöffnung zieht.
Jörg E. Mayer