Da das Parvovirus sehr ansteckend ist, sind auch unsere heimischen Vierbeiner davon betroffen. Ansteckungsgefahr besteht praktisch auf jedem Spaziergang, schon bei dem Schnüffeln an einem fremden Häufchen. Denn infizierte Hunde scheiden das Virus massenhaft aus.
Der kleine Rocky, gerade einmal zwölf Wochen alt, hat die lebensbedrohende Viruskrankheit Parvovirose. Die Besitzerin Käte K. glaubt, dass er sich die Krankheit schon beim Tierhändler eingefangen hat. Als Käte K. auf dem Bauernhof ihren Rocky sah, verliebte sie sich sofort in den kleinen Wildfang und nahm ihn ohne Bedenken mit. Kurz danach begann auch schon das Drama. Das vorher quirlige Kerlchen blieb plötzlich apathisch liegen, erbrach sich und bekam blutigen Durchfall. Eine furchtbare Situation. Voller Sorge und Angst ging sie mit Rocky sofort zur Tierärztin Meike Krügel in Kerpen. Sie stellte nach einer Blut- und Kotprobe fest: Rocky hat tatsächlich das gefährliche Parvovirus, bei Katzen auch als Katzenseuche bekannt.
Diese Viren greifen im Körper alle Zellen an, die sich schnell vermehren, das sind beispielsweise Darm- und Blutzellen, bei jungen Tieren auch die Herzmuskelzellen. Sie „kapern“ die weißen Blutkörperchen und vermehren sich dort. Dabei zerstören sie die weißen Blutkörperchen des Immunsystems. Das kann für den Hund tödlich ausgehen. Besonders gefährlich ist die Parvovirose für ältere Tiere mit einem geschwächten Immunsystem oder für junge Hunde mit noch nicht vollständig ausgebildeten Abwehrkräften.
Halterin Käte reagierte bei Rocky sehr schnell, und das war gut so: Je früher die Behandlung einsetzt, desto größer sind auch seine Überlebenschancen. Bisher gibt es noch kein Medikament gegen diese Viren. Von der Tierärztin bekommt Rocky jeden Tag Infusionen, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Dazu ein Immunserum, Antikörper gegen die Erkrankung, Antibiotikum und Medikamente, die sein Magen- und Darmtrakt schützen. Ganz wichtig: Er darf in den ersten Tagen keine Nahrung zu sich nehmen, damit sich sein Darm beruhigt. Auch muss er von anderen Hunden isoliert bleiben, wegen der Ansteckungsgefahr. Denn das Parvovirus ist sehr langlebig. Es ist zwar nicht ansteckend für Menschen, aber für andere Hunde und Frettchen. Beim Schnüffeln an fremden Häufchen oder beim Fressen von verseuchter Nahrung könnte sich der Hund schon anstecken. Aber auch unter den Schuhen des Halters kann das Virus ins Haus getragen werden. Deshalb ist die Schutzimpfung wichtig.
Ab der fünften/sechsten Woche sollten Welpen eine Schutzimpfung erhalten. Das ist die Aufgabe des Züchters. Die Halter sind danach gefragt, die Impfung in der achten und zwölften Woche aufzufrischen, anschließend ist eine regelmäßige Auffrischung notwendig. Aber auch die Parvovirose-Impfung schützt nicht immer 100-prozentig vor dieser Krankheit. Deshalb sollte bei Symptomen wie blutigem Durchfall, Erbrechen und Fieber sofort der Tierarzt aufgesucht werden.
Nach über einer Woche ist Rocky endlich über dem Berg. Jetzt kann er nach Herzenslust herumtollen, nichts ist mehr vor dem kleinen Hund sicher. Er muss noch eine weitere Woche warten, bis er wieder mit seinen Hundekumpanen spielen darf. Danach besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.
Heidi Sonderhoff